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Der Guckkasten – ein früher medialer Blick auf die Welt
Guckkasten und Guckkästner waren auf den Marktplätzen unter allen Ausrufern eine der populärsten Erscheinungen seit dem späteren 17. Jahrhundert; die materielle Überlieferung stammt grösstenteils aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es gab nichts zu kaufen, doch zu schauen fast alles bis in die fernsten Gründe von Zeit und Raum. Biblische und aktuelle Ereignisse, Natur- und Weltsensationen aller Art wurden gegen Entgelt als Abbild von Wirklichkeit vorgeführt, Kunst und Illusion in eins.
Die radierten und schablonenkolorierten Guckkastenblätter, überwiegend Veduten als Städtebilder aus allen Ländern Europas und kolonisierten Gegenden im Normformat von 32 x 42 cm, waren mittels illusionistisch überdehnter Zentralperspektive so konstruiert, dass die Darstellung bei verkürztem Betrachtungsabstand im Nahblick das betrachtende Auge in das Zentrum bannt, die Bildfläche füllt das ganze Blickfeld, man befindet sich mittendrin und ist im wörtlichen Sinn im Bild. Der Guckkasten, ein tragbares Gehäuse, ist eine Dunkelkammer mit Guckloch und einer leicht vergrössernden Sammellinse, durch die das eingelegte Blatt angeschaut wird. Durch natürliches Auflicht leuchtet im Dunklen das zweidimensionale Guckkastenbild mit gesteigerter Plastizität, das betrachtende Auge nimmt am Bildgeschehen teil.
Als Exponate kommen folgende Städte zur Erscheinung: Basel, Bern und Solothurn, Augsburg und Hamburg, Venedig und Rom in je zwei Ansichten, Breslau in sechs Ansichten, Schiedam und Delft, VersailIes, London und Kopenhagen, Yangzhou, Lahore und Chennai, Batavia und Havanna. Andere Ansichten von Städten kommen in zwei verschiedenen Guckkastentypen des 19. Jahrhunderts zur Demonstration. Ein Augsburger Kulissenguckkasten des 18. Jahrhunderts, barockes Theater im Kleinstformat mit elektrischer Beleuchtung, zwei Stereobetrachter für dreidimensionale Postkarten, eine Spieldose in Form eines Fernsehers mit weihnachtlicher Szene sowie die originelle Werbung einer Bleigiesserei von 1950 sind weitere Raritäten, die zum Schauvergnügen am Bilderzauber einladen.